52, 8 Wochenstunden beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit der österreichischen Manager. Die Extreme - also unter 40 Stunden und über 60 Stunden - hielten sich dabei die Waage, jeweils 9 bzw. 8 % fallen in diesen Gruppen. Dafür wird Frauen deutlich mehr abverlangt, jede achte Managerin (12%) liegt in der „workaholic"-Gruppe mit mehr als 60 Stunden. Männer finden sich nur zu 7 % in diesem Segment.
Dies sind einige Zahlen aus der Arbeitszeitstudie, die das Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) im April von der Triconsult durchführen ließ. Am intensivsten arbeiten demnach Führungskräfte der ersten Ebene (durchschnittlich 54, 5 Stunden), allerdings sind bei ihnen auch Gewöhnungseffekte an dieses hohe Pensum zu erkennen. „64 % der Spitzenmanager wollen an ihren aktuellen Arbeitszeiten festhalten, ein weiteres Viertel bekennt sich dazu, im Job etwas kürzer treten zu wollen", so Mag. Roland GRAF, Generalsekretär des WdF. Was erstaunt, zumal noch in der WdF-Gesundheitsstudie im Herbst 92 % von job-bedingten gesundheitlichen Risikofaktoren sprachen.
Zum Nachhören: Dr. Josef über die Workaholics im Lande (als .mp3)
50% der Abteilungsleiter wollen andere Arbeitszeit
Weitere Überraschung: Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist auch im Management ein Thema. Vor allem in der zweiten Führungsebene - hier sehnen sich 24 % nach mehr Flexibilität, 26 % nach weniger Arbeit generell - ist dieser Wunsch verbreiteter. Dr. Felix JOSEF, Triconsult, ortet als Studienautor auch aus einem anderen Grund großes Interesse an diesem Thema: „Wir hatten trotz der Feiertage im April gut ein Drittel mehr Antworten als bei vergleichbaren Untersuchungen". Für den Sozialforscher macht das Beispiel auch Schule: „Von den Managern mit Teilzeit im Unternehmen möchten 28 % noch flexibler arbeiten (gibt es diese Möglichkeit nicht, rufen nur 17 % nach mehr Zeitsouveränität".
Zum Nachhören: Dr. Josef über die wesentlichen Ergebnisse (als .mp3)
Teilzeit im Management bleibt vorerst ein Minderheitenthema, zumal nur 38 % der Unternehmen diese Arbeitsform überhaupt anbieten. „Wir sehen hier ein merkwürdiges Phänomen: Positive Zustimmung der Manager zum Modell selbst, aber eine merkwürdige Scheu, es selbst zu beanspruchen", ortet Graf eine Art „Floriani-Prinzip des Führungsverständnisses". Vor allem als Karrierebremse wird ein solches Modell gesehen (75% der Manager stimmten hier zu). Als Vorteile für Familienleben (74%) und Lebensqualität (77%) wird Teilzeit im Management aber grundsätzlich schon gesehen.
Zum Nachhören: Dr. Josef über Teilzeit-Wünsche (als .mp3)
Eigene Zeit-Verwaltung als Lösung
Für den WdF-Generalsekretär münden die Erkenntnisse in einer zentralen Forderung: „Zeitwertkonten, die etwa die Bundesrepublik längst in der Arbeitsverfassung aufgenommen hat, brächten hier mehr Wahlmöglichkeiten bei gleichbleibender Motivation. Ob die angesparten Zeiten für Renten ausgezahlt würden, Sabbaticals ermöglichen oder in eine Altersteilzeit einfliessen, liegt dabei beim Einzelnen".
Zum Nachhören: Mag. Graf über die Zeitwertkonten (als .mp3)
Im Sinne des Lebensunternehmers und der Zeitsouveränität fordert das WdF eine entsprechende Berücksichtigung auch in Österreich, zumal damit auch einer Überlastung der nachkommenden Führungsgeneration (Burn out) entgegengewirkt werden kann


