Wie es um das Bewusstsein für die Verletzlichkeit von Geschäftsprozessen im Management steht, erhob der Studiengang für IT-Security (Fachhochschule St. Pölten) gemeinsam mit dem WdF und Kaldas Consulting. 99 Führungskräfte gaben über ihren Umgang mit konkreten Bedrohungsszenarien Auskunft - und offenbarten die Schwachstellen der Kontinuitätsplanung bei Störfällen in Österreich deutlich. „Die Firma als Festung scheint die Sicherheitsüberlegungen zu dominieren", sieht WdF-Generalsekretär Mag. Roland Graf trotz Globalisierung einfache Denkmuster. „Von außen kommende Bedrohungen wie Post oder Eindringlinge werden gesehen, Lieferanten oder Logistik bleiben meist ausgeklammert".
Bewußtsein, aber wenig Umsetzung
Dies ist umso verwunderlicher, da 80% der Führungskräfte angaben, „sich der Folgen einer Unterbrechung der Geschäftstätigkeit bewusst zu sein". Poststücke werden bei 70% der Firmen zentral erfasst, ehe sie an die Empfänger weitergeleitet werden. Schon der Schutz der Betriebsgelände (62% haben Kameras/Beleuchtung) vor Werksspionage erweist sich als nicht mehrheitlich gegeben: Zentrale Besuchererfassung bzw. Ausweisleistung ist nur in 43% der Firmen Standard.
Ergebnisse im O-Ton (als .mp3): Die Bedrohungsszenarien
Security: Size does (not) matter
Dabei ist das Risiko-Bewußtsein nur teilweise an die Größe des Unternehmens gekoppelt. Während 40% aller Befragten einen Business Continuity-Plan besitzen, waren es zumindest 60% der Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter. Auch das Bewußtsein für mögliche Ausfälle von wichtigen Lieferanten (mit 28% der schlechteste Wert) ist bei Unternehmen über 1.000 Mitarbeitern mit 50% deutlich höher. Reiserichtlinien, die 65% der „Großen" besitzen, sind allgemein kein Thema (37% Zustimmung).
Ergebnisse im O-Ton (als .mp3): Unterschiede nach Unternehmensgröße
Existiert ein Notfallplan für die geographische Verlagerung der Geschäftstätigkeit, falls der lokale Firmensitz im Falle einer Katastrophe unzugänglich, unbenutzbar oder zerstört werden sollte?
Besonders auffällig war die Differenz zwischen Einschätzung der Krisenbewältigung (82% der ManagerInnen zeigten sich zuversichtlich) und den konkreten Bedrohungsszenarien. Von den 18 möglichen Bedrohungsszenarien wurden gerade gegen sechs von einer Mehrheit Maßnahmen ergriffen. „Ein umfassendes Risikomanagement, wie es das strategische Business Continuity Planning (BCP) bietet, ist nicht einfach eine Option, sondern eine Notwendigkeit für Betriebe - von KMU bis zu internationalen Konzernen", verweist Dr.
Ines Kaldas (Zentrum für Krisen- und Konsequenzmanagement) auf eine spürbare Sorglosigkeit.
Ergebnisse im O-Ton (als .mp3): Krisenprävention als operative Aufgabe
Selbst ein vermeintliches Standard-Werkzeug, der P.R.-Plan zur Krisenkommunikation, um neben dem finanziellen Schaden nicht auch noch an Image einzubüßen, liegt nur in 49% der Firmen vor. Zudem führen aktuelle Krisen auch kaum zu Nachjustierungen: Reiserichtlinien haben trotz Vulkanasche-Wolke und Entführungsrisiko in vielen Ländern aktuell nur 37%. „Krisen verursachen nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch mangelnde Kontinuitätsplanung", so Graf abschließend, „ein einziger Tag Stillstand kann den Gewinn eines ganzen Jahres gefährden".
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