Burgenland

"Europa und der Nahe Osten – zwischen politischen Umwälzungen und Energieabhängigkeit" mit Karin Kneissl

Der Erdölmarkt zwischen geopolitischen Turbulenzen und technischen Umbrüchen

26.09.2017, 18:00 - 20:30 Uhr

WdF_Johann Pinterits (GMS GOURMET), Andrea Bischel (Volkswirtschaftliche Gesellschaft Burgenland), Karin Kneissl und WdF-Landesvorsitzender Johannes Ernst (Solutions Factory Consulting)

Johann Pinterits (GMS GOURMET), Andrea Bischel (Volkswirtschaftliche Gesellschaft Burgenland), Karin Kneissl und WdF-Landesvorsitzender Johannes Ernst (Solutions Factory Consulting)

Eine große Anhängerschar – rund 70 Personen - folgten Karin Kneissls Ausführungen über die Entwicklungen im Nahen Osten. Karin Kneissl hatte in den 80er Jahren eine große Mission: Sie wollte eine Nahostkonferenz organisieren um Frieden im Nahen Osten zu stiften. Daraus wurde nichts, doch dem Nahen Osten und seinen europäischen Verflechtungen blieb sie treu. Sie studierte Rechtswissenschaften und Arabistik, dissertierte über den Grenzbegriff der Konfliktparteien im Nahen Osten.

Für einige international tätige Firmen unternimmt Karin Kneissl regelmäßig Briefings zu den Entwicklungen im Energiebereich. Zentral sind Erdöl und Erdgas, die OPEC und die Energiepolitik in Nordafrika sowie dem Nahen Osten gehören zu ihren wesentlichen Studienthemen. Als unabhängige Energie-Analystin wirkt sie regelmäßig bei Rohstoffkongressen und Energiedebatten mit. Ihre Recherchen und Auslandsreisen finanziert sie sich selbst, um ihre Untersuchungen unabhängig zu erstellen.

Karin Kneissl vertritt die Ansicht, der Erste Weltkrieg sei noch nicht vorbei. Die Aufteilung des ehemaligen Osmanischen Reiches mit der willkürlichen Grenzziehung der Siegermächte England und Frankreich (Sykes-Picot-Abkommen) hat bis heute Auswirkungen. Die Grenzen wurden auf dem Reißbrett gezogen, es spielte dabei keine Rolle welche Volksgruppen (Sunniten, Schiiten, Kurden, Juden oder Christen) in den Gebieten lebten und ob sie miteinander leben können, allein die wirtschaftlichen Interessen waren entscheidend. Also richtete man sich bei der Aufteilung der Gebiete kurzerhand nach den bestehenden Pipelines.

Auch im Syrienkrieg spielen die Einnahmen durch das Öl eine bedeutende Rolle, der niedrige Rohölpreis bedeutet leere Kassen bei den Akteuren, somit kann der Syrienkrieg als beendet angesehen werden. Auch die Autonome Region Kurdistan im Nordirak zeichnet sich durch wichtige Ölquellen, die ganz nahe an der Oberfläche liegen und somit leicht gefördert werden können, aus.

Die Flüchtlingskrise, die 2015 in Europa heftige Spuren hinterlassen hat, hätte schon viel früher erkannt werden müssen, kamen doch schon 2011 aus Italien die Hilferufe. Auch in Frankreich und Spanien gibt es seit den 1980ern eine erhöhte Ankunft von Menschen aus dem afrikanischen Raum.

Vor allem in Afrika ist die Demographie entscheidender Faktor der sozialen Revolte. Von 1950-2050 wird sich die Bevölkerung vervierfachen (von 104 auf 690 Mio Menschen). Allein bis 2020 müssten in der MENA-Region (Middle East and North Africa)an die 60 Mio Arbeitsplätze geschaffen werden um die Migration aus wirtschaftlichen Gründen zu stoppen.

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