Kärnten

Experten-Talk mit Arnold Gabriel, Vorstand KABEG

Kostensenkungen bei Kärntens größtem Arbeitgeber

28.11.2017, 18:00 Uhr

Deckel auf die öffentlichen Budgets


In der Reihe „Experten-Talk“ war Ende November der Vorstand der Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft KABEG, Arnold Gabriel, Gastreferent beim WdF. Als ausgewiesener Fachmann für Organisation und Controlling im Gesundheitsbereich führt er nun seit Anfang 2014 das Unternehmen und erledigt die To-Do‘s trotz rauen Gegenwindes und im Spannungsfeld zwischen Gesundheitsversorgung, Politik und Öffentlichkeit. Sein Programm lautet „Lean Management“, sein Credo ist „mit gutem Vorbild vorausgehen und schlankes Denken in die Führungsebenen und die Belegschaft bringen“.

 

Gabriel berichtet, dass er ein Unternehmen mit aufgeblähtem Verwaltungsapparat übernommen habe. Manch harter Einschnitt sei nötig gewesen, um diese Strukturen umzuformen und nachhaltige Verschlankungen einzuleiten. Außerdem setzte er beim ‚Mindset‘ an, Führungskräfte der KABEG haben nun Verträge mit klaren Zielvereinbarungen und variablen Vergütungsbestandteilen. Eine weitere Herausforderung erwartete ihn im Zusammenhang mit dem Heta-Finanz-Fiasko für das Bundesland, denn die KABEG hing auch damals vom Finanzmarkt-Rating Kärntens ab. Noch dazu musste er mit der Ärzteschaft um verkürzte Arbeitszeiten und steigende Gehälter pokern. Und neben all diesen Problemfeldern galt es strategisch zu handeln und alle Einsparpotentiale zu identifizieren bzw. zu heben. Doch von einem „totsparen“ will Gabriel dennoch nichts hören, denn er sei mit den bisherigen Erfolgen sehr zufrieden. Immerhin sei die oftmals und gerne kritisierte Quote an Kernverwaltungsmitarbeitern in der KABEG bei lediglich sechs Prozent. Demnach arbeiten 94% der Belegschaft am Patienten. Außerdem sehe er jegliche Benchmarks kritisch, wenn diese nicht richtig und transparent erstellt seien. Doch einem gewissen Spardruck, der dem Gesundheitswesen und der öffentlichen Hand auferlegt wird, kann Gabriel allemal etwas abgewinnen. Er deklariert sich als klarer Verfechter der gedeckelten Budgets, denn dann sei man innerhalb des Systems zu mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit gezwungen.

 

Krankenhäuser im Land - kein Restrukturierungsbedarf

 

Hinsichtlich der Gesundheitsversorgung im Krankenhausbereich macht Gabriel klar, dass er keinen Restrukturierungsbedarf erkennen könne. Zwar können Vergleiche mit Kennzahlen anderer Regionen, abhängig von der Betrachtungsweise, die unterschiedlichsten Ergebnisse liefern. Doch Kärnten sei mit seinen KABEG-Anstalten und den privaten Krankenhäusern sehr gut aufgestellt und die Leistungsabgrenzung sei hinsichtlich der regionalen Standorte und Entfernungen auch sehr gut. Viel mehr prophezeite er, dass künftig im Spitalsbereich übermäßig investiert werden müsse, wenn nicht heute „an den richtigen Stellschrauben gedreht würde“. Dies sei auch vor dem Hintergrund einer weiter alternden Gesellschaft und  wachsender geriatrischer Betreuungsaufgaben im Gesundheitssystem zu sehen.

 


 

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