Kärnten

Forum Wasserleonburg

Klimawandel ohne Umkehr?

03.07.2018, 18:00 - 21:00 Uhr

Fred Luks, der Leiter des Nachhaltigkeitszentrums der WU in Wien, kritisiert beim Forum Wasserleonburg des WdF Kärnten die Abschottung des Westens und verlangt eine gerechtere Verteilung der Globalisierungsgewinne.

Beim heurigen Forum Wasserleonburg des WdF Kärnten stellte Buchautor und Nachhaltigkeitsforscher Fred Luks nicht nur sein aktuelles Buch „Ausnahmezustand“ vor, sondern erklärte den zahlreichen Zuhörern auch seine Sicht auf „Klimawandel, Digitalisierung sowie Populismus und wie das alles zusammenhängt“. Er wolle keinen Pessimismus verbreiten, halte aber auch nichts von Schönrederei. Eigentlich plädiere er für breiten Optimismus in der Gesellschaft, um volle Gestaltungskraft entfalten zu können. Das fällt allerdings schwer, wenn man seinem Faktencheck vollen Glauben schenkt. Nach seiner Darstellung habe die Verlangsamung bzw. Umkehr des Klimawandels eigentlich keine Chance, solange die Menschen in der westlichen Welt ihre Lebensweise nicht einschneidend ändern würden. Es gebe zwar gute Ansätze aber nur schwache Umsetzungsbemühungen. Man wolle wohl keine Abstriche in Kauf nehmen. „Die Normalität des guten Lebens im Westen verhindert, dass man zum Klimaschutz wirklich etwas macht“, urteilt Luks vernichtend.

Populismus ist keine Lösung
Auch für die Digitalisierung hat er offensichtlich wenig übrig. Er ist der Meinung, dass die bloße Hoffnung auf noch bessere künftige digitale Technologien unsere globalen Nachhaltigkeitshausaufgaben nicht lösen werde. Viel eher habe auch die digitale Welt reale Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten, denn Bits und Bytes würden Materialströme auslösen: Serverfarmen müssten betrieben werden, Energie werde für den Strom und die Kühlung dieser elektronischen Datenarchive benötigt. Schließlich spiele unsere imperiale Lebensweise, das gute westliche Leben auf ökologische und soziale Kosten unterentwickelter Länder, zumindest indirekt dem Populismus in die Hände. „Der Anstieg des Populismus hat damit zu tun, dass der Rest der Welt nicht so leben kann, wie wir im Westen leben“, meint Luks. Und dabei greife der Populismus immer auf scheinbar einfache Lösungen zu. Damit meint er etwa die Abschottung der EU gegen Zuwanderung. Die Fluchtursachen, nämlich die ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne, würden so nicht im Ansatz bekämpft.

Masterpläne reichen nicht
Herrscht also Ausnahmezustand? Vieles deutet nach Luks Ausführungen darauf hin. Dennoch ist auch er der Meinung, dass noch nicht aller Tage Abend sei. Der oft geforderte Paradigmenwechsel, also auch das Einläuten einschneidender gesellschaftlicher Veränderungen hin zu einer viel nachhaltigeren Lebens- und Wirtschaftsweise, wäre nötig. Das könne aber bloß funktionieren, wenn eine wirkliche Alternative zum jetzt Gültigen existieren würde. Ein großer Masterplan allein werde nicht reichen. Neben dem „Wir“ müsse das „Ich“, also jeder einzelne, aktiviert werden. Die Politik müsse dazu begleitend mit neuer Ehrlichkeit auftreten, so Luks. Dass damit ein Ende des uns bekannten (andauernden) Wachstums der Wirtschaft einhergehen müsse, glaubt Volkswirt Luks allerdings auch nicht. Zum Schluss also doch noch ‚good news‘ für die Führungskräfte aus der Wirtschaft.

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