Burgenland

Führen muss weiblicher werden

Leadership-Mehrwert: Frauen in Führungspositionen

19.04.2018, 18:30 - 21:00 Uhr

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Petra Gregorits spricht mit Peter Menasse über ihren Start in die Selbstständigkeit, Unternehmensgründung, Gleichbehandlung und Genderfragen.


Petra Gregorits ist neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Unternehmensberaterin und Coach seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich in männlich dominierten Interessenvertretungen aktiv. Seit 2015 ist sie – in der 119-jährigen Vereinsgeschichte - erstes weibliches Präsidiumsmitglied des Sportklub Rapid. „Das Ehrenamt sehe ich als Möglichkeit, Netzwerke aufzubauen“, sagt Petra Gregorits. Gerade das Netzwerken und Verkaufen fällt Frauen schwer, darum ermutigt sie junge Frauen, Herausfor-derungen anzunehmen. Sie selbst hat den Sprung in die Selbstständigkeit gemacht, auch wenn es zu Beginn die Unsicherheit gab, über kein regelmäßiges Einkommen zu verfügen.
Die Beteiligung von Frauen schafft in Betrieben ein anderes Klima, das erkannte man auch bei Bundesheer und Polizei, als dort Frauen aufgenommen wurden. „Sobald Frauen in ein Gremium eintreten, steigt die Produktivität um 20 Prozent“, sagt Gregorits. Trotz der guten Ausbildung heutiger Frauen sind in Österreich in börsennotierten Unternehmen nur 20% in Spitzenfunktionen. Oft ist es sogar schwierig für Unternehmen auf der Suche nach Führungskräften – um vorgegebene Quoten zu erfüllen - eine Frau zu finden. Denn viele Frauen fragen sich, wenn sie in gewisse Positionen kommen: Kann ich das? Wie viel Zeit kostet mich das?, und wägen ab, ob das mit dem Familienleben vereinbar ist.
Das Stadt/Land-Gefälle ist immer noch groß, denn internationale Unternehmen sitzen in der Regel in Ballungszentren und es braucht längere Anfahrtszeiten, wenn man auf dem Land wohnt. Auch das ist eine Hürde für Frauen mit Betreuungspflichten. Darum müssen familienfreundliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, vor allem in Hinsicht auf potenzielle Mitarbeiter, denen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer wichtiger wird. Auch Männern! Flexible Arbeitszeiten, Arbeiten vom Homeoffice, Videokonferenzen und Ähnliches bieten heute vielfältige Möglichkeiten und machen Betriebe als Arbeitgeber interessant.
Auf die Frage, ob Männer Angst vor weiblicher Konkurrenz haben, antwortet Gregorits: „Männer agieren eher aus Gewohnheit, sie sind nicht prinzipiell gegen Frauen im Betrieb.“


Helga Kölndorfer, Leiterin eines Finanzamtes, weist auf die geringe bis gar nicht vorhandene Bereitschaft von Frauen hin, nach der Karenz wieder Vollzeit zu arbeiten, obwohl es seitens des Dienstgebers großes Entgegenkommen gibt. Diese Versicherungszeiten und das geringere Einkommen wirken sich negativ auf den Pensionsbezug aus. Johannes Ernst: „Mehr als 50% der Kaufentscheidungen werden von Frauen getroffen und darum sollten sie auch vermehrt in die Managemententscheidungen eingebunden werden.“
Klaus Maras appelliert an Petra Gregorits als Frau im Präsidium von Rapid die Fanszene zu entradikalisieren. Frauen könnten dabei eine wesentliche Rolle spielen.
Referentin und Publikum waren der einhelligen Meinung, dass es weiterhin notwendig ist, Frauen in ihrem Selbstvertrauen zu stärken und zu ermutigen. Sie haben die Kompetenz, aber noch ist Aufklärungsarbeit – auch in der Erziehung und bei der Berufswahl – notwendig. Es zahlt sich aus, seine Zeit in (Frauen-)Netzwerke zu investieren, denn „Nur ein Miteinander bringt uns weiter.“, so Gregorits.


Peter Menasse, Kommunikationsberater und Publizist moderierte das Gespräch, eine Kooperationsveranstaltung von Wirtschaftsforum der Führungskräfte und Volkswirtschaftlicher Gesellschaft Burgenland. Im Anschluss an das Gespräch nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Netzwerken und genossen den Ausblick auf Eisenstadt an einem wunderbar milden Abend auf der „Alm“.

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