Kärnten

Ab 2030 völlig emissionsfrei?

Anerkannte Klimaforscherin zu Gast beim Forum Wasserleonburg

05.07.2016, 18:00 - 21:00 Uhr

Anfang Juli lud das WdF zum traditionellen Forum ins Schloss Wasserleonburg bei Nötsch. Gastrednerin des Abends war Universitätsprofessorin Helga Kromp-Kolb, die zur Frage, ob die Wirtschaft unser Klima an die Wand fahre, referierte. Unbestritten ist die fachliche Kompetenz der Klimaforscherin, die einen ausgezeichneten Ruf als Mahnerin und Kritikerin der internationalen und österreichischen Klimapolitik genießt. Ihre Botschaften beruhen auf wissenschaftlichen Fakten, sie legt diese klar und nachvollziehbar dar. Und dennoch fällt es manch einem schwer, ihre Botschaft widerspruchslos hinzunehmen. So zeigt Kromp-Kolb den zahlreichen Anwesenden auf, dass unser globales Ökosystem den Rahmen vorgibt und dessen Grenzen nicht verhandelbar sind. Müßig sei aus ihrer Sicht auch jede Diskussion, ob es einen Klimawandel gebe, denn die Fakten sprächen eine klare Sprache. In den letzten 600.000 Jahren habe es immer wieder Zeiten der Erwärmung und Abkühlung gegeben. Die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre schwankte zwischen 180 und 280, doch den aktuellen Wert von 400 ppm (Parts Per Million) habe man vorher noch nie erreicht. In der Konsequenz werde es einfach immer wärmer. Laut der Forscherin müsse man sich mit den Auswirkungen und möglichen Lösungsansätzen zum Gegensteuern auseinandersetzen, nicht mit Grundsatzdiskussionen über die Existenz des bereits Bewiesenen.

Allerdings sei es für uns Menschen relevant, zu erfahren, wie es dazu gekommen sei, so Kromp-Kolb. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs stiegen die Wirtschaftsleistung und die Weltbevölkerung massiv an. Der Verbrauch an den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl und Gas explodiere. Die Koppelung sei klar nachgewiesen. Mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen würden die CO2-Emissionen steigen. Heute machen besonders die Schwellen- und Entwicklungsländer Sorgen, denn ihnen fehle vielfach die moderne Technologie. Das Umweltbewusstsein werde am Altar des wirtschaftlichen Aufschwungs leichtfertig geopfert.

Das Pariser Abkommen
Im Dezember 2015 haben sich die Nationen in Paris auf Klimaziele geeinigt – die globale Erwärmung solle unter 2 °C im Vergleich zu vorindustrieller Zeit bleiben, tunlichst nur bei 1,5 °C. Der eingeschlagene Weg sei gut, beurteilt Kromp-Kolb. Und die Hoffnung, mit dieser Begrenzung der Erwärmung bereits laufende selbstverstärkende Prozesse im globalen Klima langfristig zu stoppen, existiere. Doch jetzt müsse die Menschheit ins Tun kommen. Denn die industrialisierte Welt habe schon so viel CO2 in die Atmosphäre eingebracht, dass nur noch ein rechnerischer Puffer von 1.000 Gigatonnen verbleibt. Auf Österreich umgemünzt bedeute dies, dass wir ihn binnen 14 Jahren aufbrauchen, wenn wir nicht sofort mit einfachen und raschen Maßnahmen zum Klimaschutz beginnen, meint Kromp-Kolb. Sonst müssten wir ab 2030 völlig emissionsfrei wirtschaften, was ganz und gar illusorisch sei. Daher brauche es heute einen Kulturwandel, einen verstärkten Einsatz der Solarenergie und eine effektive Unterstützung der Schwellenländer mit modernsten, emissionsarmen Technologien, mahnt die Klimaforscherin abschließend.

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