Kärnten

Betriebsbesichtigung Hirsch Servo AG

Wie ein Kärntner Industrieunternehmen den Dämmstoffmarkt anführen kann

18.10.2018, 16:00 Uhr

Mit Volldampf expandieren

 

Im Oktober besuchten die Mitglieder des WdF Kärnten die Hirsch Servo AG in Glanegg. Das Unternehmen ist gut bekannt, dennoch stellte es sich wieder einmal als ein perfektes Beispiel für einen international sehr erfolgreich agierenden ‚Hidden Champion‘ heraus, der seine Ursprünge und seine Zentrale in Kärnten hatte und hat. CEO Harald Kogler, ein in Wirtschaftskreisen prominenter Protagonist, der an vielen Stellen der Kärntner Unternehmenslandschaft seine prägnanten Spuren hinterlassen hat, nahm die WdF-Delegation persönlich in Empfang und stellte das Unternehmen vor.

 

Seit seiner Gründung im Jahre 1972 durchlief das Unternehmen viele Stationen und Entwicklungsschritte, Höhen und Tiefen. Eine Zeitlang war es auch an der Börse gelistet, nicht immer konnten Eigentümer bzw. Management eine längerfristige wirtschaftliche Fortführung der Geschäfte sichern. 2014 übernahm schließlich die HERZ-Gruppe die Aktienmehrheit und unterstützte das Management bei umfassenden Restrukturierungsmaßnahmen. Heute kann CEO Kogler berichten, dass der Eigentümer HERZ mittlerweile von der gekauften Hirsch Servo unternehmerisch überflügelt wurde. Sie sind größer und umsatzstärker als die Eigentümergesellschaft. Mit 20 Werken in sieben Ländern und insgesamt rund 1.200 Mitarbeitern erwirtschaftet Hirsch Servo 250 Mio. EUR, die Gewinne können für Investitionen und Innovationen im Unternehmen bleiben. Das ermöglicht auch eine sehr hohe Eigenkapital-Quote von 41%, obwohl ein schnittiger Expansionskurs gefahren wird.

 

Drei Geschäftsfelder

Mit drei Bereichen, in denen das Unternehmen jahrzehntelanges Know-How hat, sind Kogler und seine Mitarbeiter aus Kärnten heraus weltweit äußerst erfolgreich. Sie beschäftigen sich mit dem (Sonder)Maschinenbau zur Verarbeitung von EPS (expandierbares Polystyrol) und EPP (expandierbares Polypropylen) und sind hier Quality Leader. In der Produktion von Dämmstoffen und Verpackungsmaterialien aus ebengenannten Rohstoffen ist Hirsch Servo mit seinen Standorten immer ganz nahe am Kunden, sei es nun der Industrieabnehmer für Konsumgüterverpackungen oder der Käufer von Dämmstoffen, z.B. im Hochbau. Im riesigen Markt Deutschland ist das Unternehmen überhaupt Marktführer – dort werden die meisten Dämmstoffe produziert und verkauft. Dass der Rohstoff für die Styroporplatten aus der Rohöl-Verarbeitung stammt, sei laut Kogler dabei überhaupt kein Zeichen für fehlende Nachhaltigkeit oder gar Umweltbelastung. Dämmstoffe aus EPS seien zu 100% recycelbar, hätten einen besseren CO2-Fußabdruck als viele andere, vermeintlich natürliche, Dämmprodukte und die Platten, z.B. an Fassaden angebracht, brennen nicht. Seit dem bedauerlichen Unglück am Londoner Grenfall Tower sei das naturgemäß besonders in den Fokus gerückt worden. Kogler könne jedoch beruhigen, seine Produkte seien in jeder Hinsicht besser, als die der Konkurrenz.

 

Was den ‚Expander‘ hindert

Das Firmenmotto lautet „mit Ideen expandieren“ – eine Anspielung auch auf den Prozess, in dem der granulare Rohstoff EPS bzw. EPP durch Beaufschlagung mit Dampf expandiert und zu den landläufig bezeichneten „Styropor-Kügelchen“ wird. Was die ‚Expander‘ bei Hirsch Servo allerdings in ihrer rasanten Entwicklung einschränke, sei das fehlende oder immer schwieriger zu rekrutierende Fachpersonal. In Österreich, gerade auch in Kärnten, melden Unternehmen einen Fachkräftemangel. Und andernorts, z.B. an den Produktionsstätten in Ungarn oder Polen ist der Arbeitsmarkt sowieso leer gefegt. CEO Kogler sehe hier ein Wachstumshemmnis für Unternehmen. Zwar bilde das Unternehmen in Glanegg für den Maschinenbau eigene Lehrlinge aus und die Anlagen werden überhaupt vermehrt automatisiert und mit Robotern ausgerüstet, damit sei das Problem aber nicht gelöst.


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