Kärnten

Expertentalk am Flughafen Klagenfurt

Es fliegt, es fliegt …

20.02.2018, 17:00 Uhr

Seit September 2017 ist der Ex-Fraport-Manager Michael Kunz Geschäftsführer des krisengebeutelten Flughafens Klagenfurt. Grund genug, dass er vom WdF zum Experten-Talk gebeten wurde, um seine Diagnose aber auch seine Vision über den Airport und Kärnten als Wirtschafts- und Tourismusland abzugeben.

 

Ende Februar war es dann soweit, die mehr als 30 Mitglieder fanden sich in der ehemaligen Sky-Bar im Abflugterminal des Flughafens ein. Ein Werktag, kurz nach 17.00 Uhr, ein atemberaubender Blick auf die leere Runway und die beinahe beklemmende Betriebslosigkeit. Symptomatisch für den Airport Klagenfurt, leider schon seit einigen Jahren. Besonders schlimm wurde es, als die letzten direkten internationalen Hub-Anbindungen, zuerst nach Frankfurt und dann auch noch nach München, gekappt wurden. Der Teufelskreis heißt: weniger Fluganbindungen führen zu weniger Passagieren, weniger Passagiere zu weniger Interesse von Fluglinien, überhaupt Flüge von dort oder dorthin anzubieten. Eigentlich ist es so einfach, möchte man meinen.

 

Natürlich ist die Diagnose des Aviation-Fachmanns weitaus komplexer. Der Flugbetrieb hat 2016 durch die kurzzeitige Schließung wegen der Pistensanierung gelitten, seitdem steigen die Zahlen wieder leicht. Die drei Hauptsegmente im Betrieb sind Linienflüge, Low-Cost und Charter. Als Linie ist eigentlich nur die tägliche Anbindung mit Wien zu bezeichnen. Vielfach kritisiert, wenig beliebt und dennoch bringt diese Strecke 50 % aller Passagiere am Flughafen. Das heißt aber auch, dass die Touristen nicht über den Klagenfurter Airport in das Tourismusland Kärnten kommen, denn auch Low-Cost, gerade von und nach Hamburg und Berlin, schwächelt. Einzig die London-Verbindung von Easyjet läuft sehr gut und die Eurowings nach Köln ist auch positiv. Da lobt Kunz ausdrücklich seinen Vorgänger für die Bemühungen. Und im Charterbereich existiert bisher eigentlich nur der Outgoing-Tourismus-Kunde. Die Kärntner fliegen organisiert in den Urlaub. Aber keiner bringt Urlauber organisiert mit dem Flieger hierher. Da stecke laut Kunz noch sehr viel an Potential drinnen, eben in der ganzen touristischen Vermarktung des Bundeslandes, wie er meine. Man könne schon sagen, dass da andere Regionen weiter seien und aus kleinen Flughäfen in schwierigen Positionen mehr gemacht hätten. Entwicklungsvisionen habe der Geschäftsführer also im Urlauberverkehr, mit Low-Cost-Fluglinien, ebenso wie im Charter und vermehrt im Incoming-Bereich. Aber auch auf Linienflügen sehe er Möglichkeiten. Er bemühe sich bei den Großen der europäischen Luftfahrt eine weitere internationale Hub-Anbindung für Klagenfurt zu bekommen. Das würde den abfliegenden und ankommenden Geschäftsreisenden, die auch gerne im margenstarken Businessabteil der Flugzeuge weilen, natürlich sehr passen und deren Zahlen am Klagenfurter Flughafen steigen lassen. Kunz habe Simulationsrechnungen anstellen lassen und eine Anbindung mit Frankfurt wäre wirtschaftlich sinnvoll, wie er meine.

 

Zusammenrücken der Regionen durch den Koralmtunnel

In der Diskussion mit den WdF-Mitgliedern war es unvermeidlich, auch über die Perspektiven des Flughafens nach einer Inbetriebnahme des Koralmtunnels zu sprechen. Graz habe internationale Hub-Anbindungen, die Kärntner Geschäftsreisenden würden doch vielleicht im Zug bis Graz fahren und dann dort den Flieger weiter in die Welt hinaus nehmen, wurde eine Vermutung aufgestellt. Und das wäre dann wohl das definitive Ende des Airport Klagenfurt. Oder? Selbstbewusst und durchaus verblüffend stellte Kunz die Gegenfrage. Warum denn nicht die Grazer Geschäftsreisenden durch den Tunnel nach Kärnten zum Flughafen pendeln könnten und der dortige Airport geschlossen würde? Man wird sehen, was einen 2024 nach der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke erwartet.

 

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