Bund

Familienfreundlichkeit in Österreich

Hochkarätige Podiumsdiskussion

28.10.2015, 18:15 - 22:00 Uhr

"Es ist gegen die kaufmännische Sorgfalt nicht familienfreundlich zu sein."

Familienfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor. Familienfreundliche Unternehmen haben nicht nur bessere Chancen im Wettbewerb um die besten Köpfe - ihre Mitarbeiter sind auch motivierter, loyaler und leistungsfähiger. 

  

Welche Faktoren zeichnen familienfreundliche Unternehmen aus und machen somit den Wirtschaftsstandort Österreich wettbewerbsfähiger?

Diese Frage stellten wir unseren Mitgliedern im Zuge des WdF-Monitorings im Sommer-

WdF-Bundesvorsitzender, Gerhard Zeiner, COO SAP Österreich, begrüßte die Gäste: "Aus Sicht der Führungskräfte ist das Thema "Familienfreundlichkeit" von hoher Bedeutung. Wer die besten Mitarbeiter gewinnen und sie auch halten will, muss ein flexibles und vielseitiges Angebot anbieten. Flexibilität auf Unternehmerseite, aber auch zu verbessernde gesetzliche Rahmenbedingungen stehen bei den Anforderungen ganz oben, damit Eltern ihre Verantwortung bestmöglich mit der beruflichen Karriere in Einklang bringen zu können. Fakt ist: Wer in dieses Thema investiert, kann mit mehr Loyalität und Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter rechnen."

Die Umfrageergebnisse wurden von Univ.-Prof. Wolfgang Mazal, Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung an der Universität Wien, präsentiert, welcher diese als sehr repräsentativ für Führungskräfte hält. Mazal weist darauf hin, dass viele Mitarbeiter oft gar nicht wüssten, was ihr Unternehmen an familienfreundlichen Maßnahmen und Förderungen anbietet. Diese Maßnahmen und Förderungen wirken sich positiv für den betriebswirtschaftlichen Nutzen eines Unternehmens aus, besonders auf lange Sicht.  Das fängt schon beim um 36 % höheren Bewerberpool an, da Bewerber sich gerne im Vorfeld informieren welche Benefits das jeweilige Unternehmen ihren Arbeitnehmern anbietet.

Hier geht es zu den Umfrageergebnissen.

 

BM Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familien und Jugend, bejaht dies. Besonders für junge Neo-Väter wird es immer wichtiger, dass der zukünftige Arbeitgeber der Vaterkarenz positiv gegenübersteht. Für junge Frauen spielen vor allem flexible Arbeitszeitmodelle eine wichtige Rolle. Um Unternehmen zu unterstützen und Familienfreundlichkeit in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wahrnehmung noch besser zu verankern wurde die Initiative „Unternehmen für Familien“ ins Leben gerufen.

Georg Pölzl, Vorstandsvorsitzender, Generaldirektor Post AG, sieht Familienfreundlichkeit im Unternehmen als wesentliches Element der Unternehmenskultur, verbunden mit  langfristigem Nutzen. "Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen und bei der Arbeit Spaß haben!"  Die Führungskräfte müssen von den Vorteilen einer familienfreundlichen Unternehmenskultur überzeugt sein, nur so ist eine vernünftige Planung möglich, so Pölzl. "Unternehmensleitbilder hängen oft schön an der Wand - doch werden sie tatsächlich gelebt?"

Günther Thumser, Präsident Henkel Int.: "Je mehr Frauen eine relevante Führungsposition innehaben, umso mehr wird das Thema "Familienfreundlichkeit in Unternehmen" weiter nach oben wandern." Positiv ist zum Beispiel , dass mehr als die Hälfte der WU-Studenten weiblich ist. Erweitert auf andere Bereiche wird sich so die Frage der Frauenquote von selbst lösen, ist Thumser überzeugt. Bei Henkel sind bereits jetzt 42 % der Führungspositionen in weiblicher Hand, Audits werden laufend durchgeführt und auch sonst ist man um die Mitarbeiter sehr bemüht. Schwierig ist es, die Generation Y einzufangen, deren Ansprüche stark familien- und freizeitorientiert ausfallen und die auch auf Transparenz im Unternehmen viel Wert legen.

Thomas Uher, Vorstandsvorsitzender Erste Bank, lässt gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion aufhorchen: "Unser Unternehmen wurde gegründet um Dienstleistungen für den Kunden anzubieten - nicht damit sich Mitarbeiter wohlfühlen" . Doch sind diese Worte nicht so hart wie sie klingen. Es gilt vernünftige Win-win-Situationen zu schaffen, Teilzeitquoten mit vernüftiger Einteilung zu koppeln und Frauen in der Karenz innerbetrieblich nicht aus den Augen zu verlieren (Weihnachtsfeier, Infomails...). Eine lange Karenz sei eines der größten Hemmnisse für den beruflichen Erfolg von Frauen. Gute Erfahrungen hat die Erste Bank mit dem Hilfswerk gemacht, eine Initiative die politisch mehr beachtet und gefördert werden sollte. Hier gibt es zum Beispiel bei Anruf Hilfe, was bei so einem kleinen Ernstfall - wie z. B. Fieber bei Kleinkind am Wochende - sehr hilfreich sein kann."Mitarbeiter darf man mit privaten Katastrophen nicht alleine lassen !"

Durch den Abend führte NZZ-Chefredakteur Michael Fleischhacker. Im Anschluss an die Diskussion, bei der bessere Kinderbetreuung in den Sommerferien und flexiblere Öffnungszeiten der Kindergärten gefordert wurde, lud das WdF zum Buffet ins Foyer des Hauses der Industrie.

Der Videobeitrag zur Podiumsdiskussion:

 

 

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