Bund

„Hochrisikojob CEO“

Experten-Talk

01.03.2016, 10:00 - 12:00 Uhr

 

In der aktuellen Stimmungslage sehen sich Top-Manager immer wieder Vorverurteilungen durch Medien und Öffentlichkeit ausgesetzt. In der Medienberichterstattung wirkt der unbewiesene Verdacht oftmals wie ein bereits abgefertigtes Urteil. Reputations- oder gar Karriereverlust können die Folge sein. Wie gehen Betroffenen mit diesem Thema um? Diese und ähnliche Fragen wurden auf Einladung der Industriellenvereinigung im Rahmen eines Experten-Talks im Wiener Haus der Industrie diskutiert.

Peter Koren, Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), begrüßte die Gäste, darunter zahlreiche WdF-Mitglieder, im vollbesetzten Urbansaal im Haus am Schwarzenbergplatz. "Wenn man sich die Berichterstattung in den letzten Monaten ansieht, könnte der Eindruck entstehen, dass Unternehmer oder unternehmerisch Tätige unter einem gewissen Generalverdacht stehen würden.  Es sollten keine neuen Hindernisse (Registrierkasse, etc.) sondern Erleichterungen für KMU´s geschaffen werden. Ein Leitbetrieb kooperiert mit durchschnittlich mit 1000 KMU´s (Zulieferung, etc.), wenn es darum geht Weltmärkte zu erobern. Wenn uns die KMU´s wegbrechen, bricht auch die Industrie im internationalen Wettbewerb weg. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dass die Rechtspolitik, das Justizsystem, auch einen Beitrag leistet, den Geschwindigkeitsmarathon global zu gewinnen."

Gerhard Jarosch, Präsident der Vereinigung Österreichischer Staatsanwältinnen und Staatsanwälte: "Eine funktionierende Justiz ist ein wesentlicher Bestandteil für eine funktionierende Wirtschaft."  Dies setzt natürlich gegenseitiges Verständnis von Wirtschaftstreibenden und Juristen voraus. Zu diesem Zwecke wurde in der WU der Lehrgang "Wirtschaftskriminalität & Recht" ins Leben gerufen. Absolventen dieses LL.M.s sehen dem Vorwurf "Anwälte und Richter haben keine Ahnung von der Wirtschaft" gelassen entgegen. Nicht lösbar ist allerdings das Problem, dass bei Verfahren immer wieder geheime Infos an die Öffentlichkeit gelangen, hier haben einfach zu viele Personen Einsicht in die Akten. Auch die Länge der Verfahrensdauer kann kaum reduziert werden, da beinah immer grenzüberschreitende Maßnahmen notwendig sind. "CEO´s müssen wichtige Entscheidungen treffen - wer wichtige Entscheidungen trifft muss genau kontrolliert werden", so der Vorsitzende der weltweiten Vereinigung der Staatsanwälte.

Georg Wailand, Herausgeber „GEWINN“, moderierte die anschließende Diskussion mit:

Wolfgang Hammerer, Geschäftsführer, Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF): "Der Hochleistungsjob CEO sollte die bestmöglichen Rahmenbedingungen vorfinden, dies führt schlussendlich zum gewünschten Wachstum. CEO´s übernehmen Verantwortung über die gesamte Unternehmenskultur, Mitarbeiter, Zulieferfirmen und vieles mehr. Die sich entwickelnde Neiddebatte  entwirft ein falsches Bild in der Öffentlichkeit"

Doris Hofmeister, Director International Business, Mercuri Urval, "Die Zeiten des beliebten Wirtschaftsstandorts Österreich sind lange vorbei, Polen und die Schweiz sind sehr gefragt. Für CEO´s die nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder nach Österreich zurückkehren möchten fehlt die passende Gehaltsstruktur. Vielfach fallen die meisten nach Ihrer Rückkehr auf den Boden der Realität."

Michael Nikbakhsh, Ressortleiter Wirtschaft, „Profil“: "Unternehmen müssen das Selbstbewusstein haben auch schlechte Nachrichten zu publizieren. Es fehlt hier an Problembewusstsein, versuchte Vertuschung macht es nur schlimmer."  In 25 Jahren gelebtem Journalismus habe er noch nie den Satz "Ich habe einen Fehler gemacht." gehört.

Andreas Pablik, Richter: "Es ist falsch zu glauben, wenn man sich für jede Entscheidung anwaltlichen Rat einholt, aus dem Schneider zu sein. Die Angst der CEO´s vor Sachverständigen ist teilweise nicht unbegründet."  Bei einem Prozess  empfiehlt Pablik: "Überzeugen Sie den Richter, dass es nachvollziehbar ist!"

Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass die Kontrolle durch den Aufsichtsrat an an Bedeutung gewinnen wird.

Nach einer regen Publikumsrunde lud die IV zum Networking bei kleinen Erfrischungen und Snacks in den Spiegelsaal.

 

 

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