Burgenland

Pleite – Das Aus für ein Unternehmen?

Wie man eine Insolvenz am besten abwickelt und welche Fehler man vermeiden sollte, erfuhren die Teilnehmer aus Sicht eines Verwalters.

08.04.2015

„Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens muss nicht notwendigerweise das Aus für ein Unternehmen bedeuten, so manches geht gestärkt und neu aufgestellt aus einem Sanierungsverfahren“, erklärte  Klaus Dörnhöfer an einigen Beispielen sanierter Unternehmen. Er lud das Wirtschaftsforum der Führungskräfte in seine Kanzlei (Beck & Dörnhöfer & Partner) in Eisenstadt.

1984 wickelte Klaus Dörnhöfer seine erste Insolvenz ab und wird seither regelmäßig mit der Durchführung von Sanierungsverfahren betraut. Seine Intention ist es, die Unternehmen nach Möglichkeit fortzuführen, doch ist diese Beurteilung nicht immer leicht und hängt auch von der Branche ab. Besonders im Bau- und Baunebengewerbe ist die Einschätzung recht schwierig, da die Einnahmen über einen längeren Zeitraum erfolgen und nicht immer mit der Bauleistung korrelieren. Bei Baumängeln, die erst nach Fertigstellung auftreten, fallen dann oft unerwartet Zahlungen aus.

Nach Insolvenzeröffnung sollte das Unternehmen versuchen liquide zu bleiben, da Lieferfirmen ab diesem Zeitpunkt in der Regel auf Vorauskasse umstellen und die Lieferungen Voraussetzung für eine Fortführung sind. Die Kunden müssen das Gefühl haben, dass sie während der Fortführung zumindest so gut wie vor der Insolvenzeröffnung  bedient werden, wenn nicht sogar besser. Problematisch sieht  Dörnhöfer dabei Anzahlungen von Kunden oder Gutscheine. Wenn diese nicht berücksichtigt werden, verlieren die Kunden das Vertrauen und es wird schnell publik, dass die Firma nicht zuverlässig ist. Daher ist abzuwägen, ob Anzahlungen, die ja z. B. im Baugewerbe beträchtlich sein können, dem Kunden gutgeschrieben werden.

Ein äußerst sensibler Punkt im Insolvenzverfahren sind die Mitarbeiter und deren Know-how. Die Mitarbeiter müssen motiviert bleiben, was mitunter schwierig ist, wenn sie schon mehrere Monate kein Gehalt bekommen haben oder über den tatsächlichen Stand des Unternehmens getäuscht wurden.
Es muss auch der richtige Zeitpunkt gefunden werden, die Mitarbeiter zu informieren. „Der Tag, an dem das Gericht den Beschluss der Insolvenzeröffnung fasst, ist ein guter Zeitpunkt.“ Werden die Mitarbeiter davor informiert, besteht die Gefahr, dass etwas nach außen dringt. Wartet man zu lange, erfahren die Mitarbeiter Details aus der Zeitung.
Für den Verwalter ist es besonders wichtig, das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen. „Als Insolvenzverwalter war ich manchmal auf drei Weihnachtsfeiern an einem Tag“, sagt Klaus Dörnhöfer, „um den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass alles seinen gewohnten Gang geht.“ Es ist wichtig zu vermitteln, dass man auch selbst an die Fortführung des Unternehmens glaubt. Daher, „bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kurz vor Weihnachten, keinesfalls die Weihnachtsfeier absagen!“

Klaus Dörnhöfer zeigt die Insolvenzabwicklung und die Sanierungsmöglichkeiten aus der Sicht des Verwalters auf. Die Anwesenden - darunter einige Unternehmens- und Steuerberater - erhielten Informationen und wertvolle Tipps, mit denen sie ihren Klienten im Falle einer Insolvenz  zur Seite stehen können.


DIE GASTGEBER: Klaus Maras, Helga Kölndorfer, Klaus Dörnhöfer, Theresa Dörnhöfer, Johannes Schmidtbauer (v.l.n.r.) Foto: WdF Burgenland

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