Kärnten

TOP-Gespräch mit Bildungsdirektor Robert Klinglmair zum Thema "Die verkannte Bildungsreform"

Bildungsdirektor Robert Klinglmair bricht eine Lanze für ein modernes Bildungssystem, das jede Menge Chancen eröffnet.

19.11.2019, 17:30 - 21:00 Uhr

Im November war Kärntens Bildungsdirektor Robert Klinglmair Gesprächspartner der Jungen Industrie und Ihrer Gäste vom WdF Kärnten. Der Volkswirt Klinglmair war mit den Forschungsbereichen Arbeitsmarkt- und Bildungsökonomik an der JKU Linz und der Universität Klagenfurt beschäftigt, bevor er 2018 – als Quereinsteiger – die Position des ersten Bildungsdirektors in Kärnten übernahm.

Trotz seines profunden bildungswissenschaftlichen Hintergrunds ist er ein Quereinsteiger in die führende Position des Bildungssystems im Bundesland. Und er ist erfrischend unbelastet, was die Besonderheiten dieses Sektors betrifft. Für ihn gibt es in der globalen Wissensgesellschaft nichts Entscheidenderes für die individuelle Entwicklung als Bildung. Er prangert die österreichische Vererbung von Bildung ebenso an, wie den Wettlauf der Schulen um jede Schülerin bzw. jeden Schüler. Mutig spricht er die „Ressourcenproblematik“ im Schulsystem und über Jahrzehnte eingefahrene „Usancen“ an. Er ist überzeugt, dass die 2017 beschlossene Bildungsreform dazu geeignet ist, das System soweit zu wandeln, damit nicht mit Methoden von vorgestern die Zukunft von morgen unterrichtet werden muss.

Mehr als nur Bildungsdirektion

Klinglmair bedauert, dass die Inhalte der Bildungsreform so verkürzt in der Öffentlichkeit angekommen seien. Denn man verknüpfe mit der Reform fast ausschließlich die Schaffung der neuen (Misch-)Behörde Bildungsdirektion. Diese sei von Anfang an unter Beschuss geraten, ob aus alter Gewohnheit oder Furcht vor dem Neuen. Oder gar aus Sorge um den Verlust etablierter Einflussbereiche? Fest steht jedenfalls, dass das Reformpaket viel mehr bahnbrechenden Zündstoff in sich berge: Sinnhaft zu nutzende Schulautonomie, unvoreingenommene Personalauswahl in den Direktionen und im Lehrkörper, Schulcluster-Bildung, stärkere Kooperation zwischen Wirtschaft und Schulen, neue Lehrpläne und der Megatrend Digitalisierung, nannte Klinglmair beispielhaft einige.

Auch die Rolle der Schulaufsicht habe sich geändert. Sie übernahm das Qualitätsmanagement. Man wolle auch gezielt Daten sammeln, auswerten und in Prozesse zur künftigen Verbesserung der Schulen und Lehrkräfte führen. Alles, um am Ende ein besseres Bildungsniveau zu erzielen. Und das sei in der Berufswelt von heute und morgen unumgänglich, denn Bildungsarmut führe geradewegs zu sozialer und Erwerbsarmut. Alle diese Chancen der Reform würden in der Öffentlichkeit leider nicht wohlwollend kommuniziert werden, bedauert Klinglmair.

Deshalb tourt der Bildungsdirektor auch durch die Schulen und ist bemüht, Medien und die Öffentlichkeit über den Sinn und die Intention der großen Bildungsreform zu informieren. Dabei braucht er viele Mitwisser und Unterstützer, denn die Hürden für den Wandel des Systems seien groß. Es werde viel Zeit und Überzeugungsarbeit in Anspruch nehmen, die 150-jährige Tradition und das Mindset der früheren Landesschulräte zu überwinden.

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