Kärnten

Taschenlampe für Manager!

17. Forum Wasserleonburg brachte Besucherrekord und einen kurzweiligen, aber auch nachdenklich stimmenden Vortrag des Hirnforschers Bernd Hufnagl

04.07.2017, 18:00 Uhr

Das Wetter konnte nicht schöner sein, als sich die zahlreichen Gäste Anfang Juli im Innenhof des Schlosses Wasserleonburg bei Nötsch zum Sektempfang einfanden. Der Vorstand des Kärntner WdF freute sich besonders über die Anwesenheit des Bundesvorsitzenden Gerhard Zeiner, der eigens für das Sommerfest der Landesgruppe und den Vortrag von Bernd Hufnagl zum Thema „Führung im digitalen Wandel“ angereist war.

Der Neurobiologe und Führungskräfteberater Hufnagl hielt im Anschluss an das Get-together im stimmungsvollen Ambiente des Anna-Neumann-Saals sein Referat. Pointiert erklärte er eingangs, dass im Hirnscanner das Gehirn eines Managers beim Anblick seines Smartphones dieselben Reaktionen zeige, wie jenes eines Drogensüchtigen, wenn er seine Suchtutensilien sehe. Dramatisch aber wahr – das Suchtareal im Hirn wird stimuliert. Und das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Doch was passiert mit den Menschen eigentlich, wenn sie ständig erreichbar sind, ständig „Multitasking“ betreiben? Sie werden oberflächlich, fehleranfällig, verlieren Empathie. In der mehr und mehr digitalisierten Welt komme gerade den Führungskräften nach Hufnagls Ansicht eine große Verantwortung zu - sich selbst und den Mitarbeitern gegenüber. Die Geschwindigkeit des Alltags, die Flut an Informationen und die Unzahl an parallel laufenden To-Dos verleiten den Manager auch dazu, essenzielle Elemente in der Menschenführung zu vernachlässigen. Einerseits sollte man für sich selbst die Fähigkeit und den Raum schaffen, auch tagträumen zu können. Bedeutend ist das Tagträumen deshalb, weil es nur dann möglich ist, wenn der Mensch gerade nicht zielgerichtet denkt oder handelt – also für einen Moment „völlig abschaltet“. Andererseits muss man bewusst selektieren und priorisieren können: Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Aufgaben auf der täglichen Häkchenliste mit verschiedenen emotionalen Wichtigkeiten versehen. Außerdem zählt Hufnagl jene drei zentralen Faktoren auf, die nach seiner Ansicht eine Führungskraft ausmachen. Am wichtigsten sei jedenfalls Empathie, welche gerade in der heutigen Zeit so sehr unter Druck gerate. Weiters zählt er die Fähigkeit des Menschen, andere zu beruhigen, also nicht noch „Öl in ein Feuer zu gießen“, als bedeutsam auf. Und dann geht es um Aufmerksamkeit und das Vermitteln von sichtbaren und rasch erlebbaren Erfolgsmomenten, denn dann wird das Belohnungshormon Dopamin ausgeschüttet.

Aufmerksamkeit statt Oberflächlichkeit

Die Digitalisierung und die technologischen Möglichkeiten sind mit dafür verantwortlich, dass sich die Menschen ständig mit Informationen befeuern und verlernt haben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Führungskräfte müssen das erkennen und genau hier ansetzen. Wahrnehmung und Perspektiven sind verzerrt und Manager können durch gezieltes Training wieder Ordnung schaffen. Hufnagl nennt es das „Taschenlampentraining“. Den Strahl der Lampe, sinnbildlich für Aufmerksamkeit, gezielt und konzentriert auf eine Stelle richten, und nicht unablässig und gleichzeitig alles und jeden mit dem Lichtkegel erfassen wollen.

Wie sehr die Informationen des Hirnforschers die anwesenden Führungskräfte zum Grübeln brachten, zeigte sich in der angeregten Diskussion mit ihm und den ausgedehnten Gesprächen beim Imbiss mit Gailtaler Spezialitäten. Ein aufschlussreicher und in vieler Hinsicht bereichernder Abend.      

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