Kärnten

Top-Gespräch mit LHStv. Dr. Beate PRETTNER

Standortfaktor Sozialstaat

11.05.2016, 08:30 - 10:00 Uhr

Die unerwarteten Wechselwirkungen zwischen Gesundheitspolitik und Wirtschaft

Mitte Mai lud das Kärntner WdF Landeshauptmann-Stellvertreterin, Sozial- und Gesundheitsreferentin Dr. Beate Prettner zum Top-Gespräch ins Hotel Sandwirth. Wie immer ging es in dieser Veranstaltungsreihe um die Standortpolitik. Prettner gab Einblicke in die Auswirkungen des allgemein hohen österreichischen Versorgungsniveaus auf die Bevölkerungsstruktur und Lebenserwartung. Als Ärztin erklärt sie den technologischen Fortschritt am Beispiel der Knopfloch-Operationen und des damit verbundenen Rückgangs stationärer Patientennachbetreuung. Daher bezweifelt sie auch die Aussagekraft von Bettenstatistiken im Benchmark von Ländern und Regionen bei der Gesundheitsversorgung. Unerwartete Verbindungen und Wechselwirkungen ergeben sich in der Analyse und Diskussion hinsichtlich Wirtschafts- und Standortpolitik. Prettner ist überzeugt, dass Gesundheit und Soziales ökonomische Faktoren seien – allein schon wegen der Tausenden Beschäftigten, die hier arbeiten. Ein Land mit hoher sozialer und gesundheitlicher Absicherung sei aber auch attraktiv als Zuwanderungsziel. Mit dieser Art von „ansprechenden Rahmenbedingungen“ könne man dem ‚Brain Drain‘ einen ‚Brain Gain‘ gegenüberstellen. Schließlich bilde sich um das Thema Gesundheit ein großer Dienstleistungssektor, von Tourismusbetrieben bis zu Software-Startups, so Prettner. Doch über eins ist sich die Gesundheitsreferentin im Klaren: was dem einen Wertschöpfung und Kaufkraft darstelle, sei dem anderen Kostenfaktor, welcher über Steuern und Abgaben finanziert werden müsse.

Prettners Herzensanliegen
Vorbeugen statt heilen ist das Motto der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Kärnten sei ein Bundesland „in Bewegung“, unsere Bevölkerung sei in dieser Hinsicht am aktivsten in Österreich. In den letzten Jahren habe sich gerade auf dem Sektor der Gesundheitsangebote im Betrieb viel getan, und dennoch schwört die Referentin die Anwesenden darauf ein, weiter und mehr zu tun. Erfolgreich aufgebaute Netzwerke müssen gepflegt und ausgebaut werden, sodass alle Arbeitnehmer in den Genuss gesundheitsfördernder Maßnahme kommen, meint sie. Nicht nur jene von Leit- und Vorzeigebetrieben, die seit Jahren mit viel Engagement und Ressourceneinsatz BGF leben. Letztlich bestand bei allen Anwesenden die Hoffnung, dass über die Umwegrentabilität künftige Kosten im öffentlichen Gesundheitsnetz gespart werden, wenn die Menschen mit guter Prävention länger beschwerdefrei und fit bleiben.

 

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