Kärnten

WdF Kärnten zwischen Gewitter und Glauben

Oberhaupt der Evangelischen Kirche beim 16. Forum Wasserleonburg

08.07.2015


(v.li.n.re: Paul Wieser, Bischof Michael Bünker, Peter Albrecht, Oskar Seidler)

Das traditionelle Forum Wasserleonburg stand heuer im Zeichen der Unruhe des Glaubens. Leider konnten es die Besucher wohl auch nicht glauben, beziehungsweise trauten sie ihren Augen nicht, als im Gailtaler Ort Nötsch genau zu dieser Zeit ein heftiges Unwetter niederging. Während die Gruppe gerade die „Wege zum Bild“ des Nötscher Kreises im Museum kennen lernte, fegte ein Gewittersturm übers Land und beschädigte mit Hagelkörnern, groß wie Golfbälle, die Fahrzeuge der Angereisten.

Bischof Michael Bünker traf es genauso. Dennoch hielt er im Anschluss im Schloss Wasserleonburg vor einer nun sehr kleinen Gruppe von Zuhörern seinen Vortrag, welcher unter dem Motto seines 2014 erschienen Buches zur „Unruhe des Glaubens“ stand. „Was hätten denn unsere Vorfahren angesichts solch eines massiven Unwetters getan?“, fragt er zu Anfang. Hätten sie Palmzweige verbrannt, um das Unheil fern zu halten oder Psalmen gebetet? Und wie weit geht unsere Religiosität heute, zu Zeiten einer Vollkasko-Versicherung?
Zwar wird die Zahl jener ohne Religionsbekenntnis insbesondere in Europa laufend größer, dennoch sind diese Menschen deshalb nicht ungläubig! Luther meinte, „woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott“. Bünker versucht den Glauben als „ein bedingungsloses Vertrauen in etwas Höheres“ zu definieren. Er meint, dass der Glaube nie fertig sei, er reife, wachse und ändere sich ein Leben lang.

Die Unbegreiflichkeit Gottes
Welche „Unruhe“ nun der Glaube in das Leben des Menschen bringe, erklärt Bischof Bünker anhand seiner Thesen. So habe jedes Leben seinen Sinn, einen von Gott gegebenen Auftrag. Auch mache es der Glaube den Menschen erträglich, mit ihren eigenen Grenzen zu leben. Das Bejahen der eigenen Grenzen führe dazu, die Grenzen der anderen zu bejahen. Eine zentrale Aussage mit hoher gesellschaftlicher Aktualität: Menschen mit Behinderung, Asylwerber, Randgruppen aller Art rücken unter dem Schlagwort der Diversität mehr und mehr in den Mittelpunkt. Der Umgang mit Vielfalt werde durch Respekt und Akzeptanz der eigenen Grenzen gestärkt. Der Glaube ist uns nach Bünkers Meinung anvertraut und zugleich zugemutet. Er ermögliche es uns, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten zu können.

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