Die Landesgruppe Kärnten des Wirtschaftsforums der Führungskräfte bot ihren Gästen einen außergewöhnlich tiefen und praxisnahen Einblick in die Führungs- und Organisationsarbeit hinter einem der bedeutendsten Kulturfestivals Österreichs. Die Ausführungen von Mag.a Nadja Kayali, geschäftsführende Intendantin des Carinthischen Sommers, und DDr. Christoph Grabenwarter, Präsident des Verfassungsgerichtshofs und Stellvertretender Obmann des Vereins Carinthischer Sommer, zeigten eindrucksvoll, wie anspruchsvoll und zugleich inspirierend die Leitung eines modernen Festivals ist.

Profil einer modernen Festivalleitung
Kayali führt den Carinthischen Sommer als Doppelspitze in einer Person: Sie verantwortet sowohl die künstlerische Direktion als auch die kaufmännische Geschäftsführung. Diese Kombination ermöglicht eine klare Linie, erhöht aber auch die Komplexität der Entscheidungen.
Sie hat das Festival inhaltlich neu ausgerichtet:
Heuer setzte sie bewusst auf ein risikoreiches Programm mit zahlreichen Uraufführungen und Erstaufführungen – ein mutiger Schritt, der das Profil des Festivals schärft und neue Zielgruppen anspricht.
Strategische Verdichtung & organisatorische Herausforderungen
Ein besonderer Höhepunkt das Konzert des Radio‑Symphonieorchesters Wien, das dem Festival zusätzlichen Aufschwung verlieh.
Eine wesentliche Neuerung ist die zeitliche Verdichtung: Das Festival findet nun konzentriert im Juli und August statt. Diese Intensität bringt Vorteile für Wahrnehmung und Vermarktung, erhöht aber die organisatorische Belastung.
Aktuell wird über vier Wochen gespielt, im kommenden Jahr sollen es fünf Wochen sein. Die Vielzahl an Spielstätten – jede mit eigenen technischen Anforderungen – verlangt präzise Planung: Welche Produktion passt in welchen Raum? Welche Atmosphäre unterstützt das künstlerische Konzept?
Langfristig wäre ein Festspielhaus in Villach wünschenswert, um die Infrastruktur zu bündeln und die Produktionsqualität weiter zu steigern.
Kooperationen & regionale Impulse
Erfolgreich war die gemeinsame Kampagne mit der Initiative FREU DICH, an der der Carinthische Sommer, die Künstlerstadt Gmünd, die Musikwochen Millstatt sowie die Komödienspiele Porcia beteiligt waren. Durch diese gebündelte Kommunikation konnten neue Gäste über den Koralmtunnel gewonnen und die regionale Sichtbarkeit spürbar erhöht werden.
Finanzierung & wirtschaftliche Verantwortung
Kayali erläuterte offen die finanziellen Rahmenbedingungen:
Subventionen sind nicht wertgesichert, was die Planung erschwert. Jeder zusätzliche Euro aus dem Kartenverkauf wird konsequent in die Qualität des Programms reinvestiert.
Die Kostenstruktur umfasst:
Der Vorstand genehmigt die Budgetzahlen, die Planung für das nächste Jahr läuft bereits parallel zum laufenden Festival.
Besonders herausfordernd ist die Fair‑Pay‑Verpflichtung gegenüber dem Personal – ein wichtiges kulturpolitisches Ziel, das jedoch zusätzliche finanzielle Spannungen erzeugt.
Publikum & Vermittlung
Der Carinthische Sommer setzt verstärkt auf Vermittlungsformate:
Diese Maßnahmen stärken die regionale Verankerung und öffnen das Festival für neue Besuchergruppen.
Backstage‑Einblicke & musikalischer Höhepunkt
Nach dem Gespräch erhielten die Gäste einen Blick hinter die Kulissen – ein seltenes Erlebnis, das die Komplexität der Abläufe unmittelbar sichtbar machte.
Anschließend folgte die Konzerteinführung und schließlich das imposante Konzert mit den Goldberg‑Variationen BWV 988. In diesem Programm erklangen sie nicht wie ursprünglich vorgesehen auf dem Cembalo, sondern in einem packenden Arrangement für Saxophon, Violoncello und Akkordeon – eine Interpretation, die das Publikum spürbar beeindruckte.
Austausch & Inspiration für Führungskräfte
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie eng Kultur, Leadership und wirtschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Für die Teilnehmenden bot der Abend nicht nur musikalische Inspiration, sondern auch wertvolle Denkanstöße für die eigene Führungsarbeit – von strategischer Planung über Teamführung bis hin zu Innovationskraft in etablierten Organisationen.
Wir danken herzlichst allen Beteiligten für diese besondere Veranstaltung!










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