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Nachbericht zur Veranstaltung „Kultur & Führung: Einblicke in die Organisation des Carinthischen Sommers“

Nachbericht zur Veranstaltung „Kultur & Führung: Einblicke in die Organisation des Carinthischen Sommers“

Veranstaltungsdatum und -zeit:
8 Juli 2026
17:30 Uhr

Die Landesgruppe Kärnten des Wirtschaftsforums der Führungskräfte bot ihren Gästen einen außergewöhnlich tiefen und praxisnahen Einblick in die Führungs- und Organisationsarbeit hinter einem der bedeutendsten Kulturfestivals Österreichs. Die Ausführungen von Mag.a Nadja Kayali, geschäftsführende Intendantin des Carinthischen Sommers, und DDr. Christoph Grabenwarter, Präsident des Verfassungsgerichtshofs und Stellvertretender Obmann des Vereins Carinthischer Sommer, zeigten eindrucksvoll, wie anspruchsvoll und zugleich inspirierend die Leitung eines modernen Festivals ist.

Profil einer modernen Festivalleitung

Kayali führt den Carinthischen Sommer als Doppelspitze in einer Person: Sie verantwortet sowohl die künstlerische Direktion als auch die kaufmännische Geschäftsführung. Diese Kombination ermöglicht eine klare Linie, erhöht aber auch die Komplexität der Entscheidungen.

Sie hat das Festival inhaltlich neu ausgerichtet:

  • weg vom rein klassischen Format,
  • hin zu einer breiteren Programmatik aus Musik, Literatur und Diskurs.

Heuer setzte sie bewusst auf ein risikoreiches Programm mit zahlreichen Uraufführungen und Erstaufführungen – ein mutiger Schritt, der das Profil des Festivals schärft und neue Zielgruppen anspricht.

Strategische Verdichtung & organisatorische Herausforderungen

Ein besonderer Höhepunkt das Konzert des Radio‑Symphonieorchesters Wien, das dem Festival zusätzlichen Aufschwung verlieh.

Eine wesentliche Neuerung ist die zeitliche Verdichtung: Das Festival findet nun konzentriert im Juli und August statt. Diese Intensität bringt Vorteile für Wahrnehmung und Vermarktung, erhöht aber die organisatorische Belastung.

Aktuell wird über vier Wochen gespielt, im kommenden Jahr sollen es fünf Wochen sein. Die Vielzahl an Spielstätten – jede mit eigenen technischen Anforderungen – verlangt präzise Planung: Welche Produktion passt in welchen Raum? Welche Atmosphäre unterstützt das künstlerische Konzept?

Langfristig wäre ein Festspielhaus in Villach wünschenswert, um die Infrastruktur zu bündeln und die Produktionsqualität weiter zu steigern.

Kooperationen & regionale Impulse

Erfolgreich war die gemeinsame Kampagne mit der Initiative FREU DICH, an der der Carinthische Sommer, die Künstlerstadt Gmünd, die Musikwochen Millstatt sowie die Komödienspiele Porcia beteiligt waren. Durch diese gebündelte Kommunikation konnten neue Gäste über den Koralmtunnel gewonnen und die regionale Sichtbarkeit spürbar erhöht werden.

Finanzierung & wirtschaftliche Verantwortung

Kayali erläuterte offen die finanziellen Rahmenbedingungen:

  • 50 % Förderungen von Bund und Land
  • 20 % Gemeinden
  • 30 % Sponsoren & Kartenverkauf

Subventionen sind nicht wertgesichert, was die Planung erschwert. Jeder zusätzliche Euro aus dem Kartenverkauf wird konsequent in die Qualität des Programms reinvestiert.

Die Kostenstruktur umfasst:

  • Gagen und Spesen der Künstler
  • Mieten der Spielorte (inkl. Kirchen)
  • technische Einrichtungen pro Spielstätte

Der Vorstand genehmigt die Budgetzahlen, die Planung für das nächste Jahr läuft bereits parallel zum laufenden Festival.

Besonders herausfordernd ist die Fair‑Pay‑Verpflichtung gegenüber dem Personal – ein wichtiges kulturpolitisches Ziel, das jedoch zusätzliche finanzielle Spannungen erzeugt.

Publikum & Vermittlung

Der Carinthische Sommer setzt verstärkt auf Vermittlungsformate:

  • Einführung der Morgenkonzerte
  • 15 kostenlose Veranstaltungen für Jugendliche
  • Teilnahme am Villacher Stadtfest mit kostenlosem Programm

Diese Maßnahmen stärken die regionale Verankerung und öffnen das Festival für neue Besuchergruppen.

Backstage‑Einblicke & musikalischer Höhepunkt

Nach dem Gespräch erhielten die Gäste einen Blick hinter die Kulissen – ein seltenes Erlebnis, das die Komplexität der Abläufe unmittelbar sichtbar machte.

Anschließend folgte die Konzerteinführung und schließlich das imposante Konzert mit den Goldberg‑Variationen BWV 988. In diesem Programm erklangen sie nicht wie ursprünglich vorgesehen auf dem Cembalo, sondern in einem packenden Arrangement für Saxophon, Violoncello und Akkordeon – eine Interpretation, die das Publikum spürbar beeindruckte.

Austausch & Inspiration für Führungskräfte

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie eng Kultur, Leadership und wirtschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Für die Teilnehmenden bot der Abend nicht nur musikalische Inspiration, sondern auch wertvolle Denkanstöße für die eigene Führungsarbeit – von strategischer Planung über Teamführung bis hin zu Innovationskraft in etablierten Organisationen.

Wir danken herzlichst allen Beteiligten für diese besondere Veranstaltung!

Programm

  • 17:30 -18:15 Uhr: Zwischen Kunst und Betriebswirtschaft - Einblicke in Organisations- und Managementstrukturen von Kärntens größtem Kulturfestival durch Mag.a Nadja Kayali (Geschäftsführende Intendantin der Carinthischer Sommer Festival GmbH) und DDr. Christoph Grabenwarter (Präsident des Verfassungsgerichtshofs und Stellvertretender Obmann des Vereins Carinthischer Sommer).
  • 18:45 Uhr: Besuch der Konzerteinführung.
  • 19:30 Uhr: Konzert Johann Sebastian Bach; Goldberg-Variationen BWV 988 in der Stiftskirche Ossiach. Goldberg Variationen mit Asya Fateyeva, Saxophon, Eckart Runge, Violoncello und Andreas Borregaard, Akkordeon.
Die Goldberg-Variationen zählen zu den bedeutendsten Werken Bachs – ein kunstvolles Kaleidoskop barocker Kompositionstechniken und ein einzigartiger Kosmos menschlicher Emotionen. In dieser besonderen Fassung entfalten sie eine neue, faszinierende Klangwelt. Empfehlung: Kulinarischer Nachklang! um ca. 21:00 Uhr (Nicht Teil des WdF-Programms: Informationen zur Teilnahmemöglichkeit erfolgen mit der Anmeldungsbestätigung.)
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