Wendejahre – Ein Vortrag von Dr. Peter Hajek
Mit den Worten „Fürchtet euch nicht“ schloss der Politikwissenschaftler Peter Hajek seinen Vortrag Wendejahr(e), in dem er einen Überblick über die politischen Veränderungen der vergangenen Jahre gab. Rund 50 Personen folgten der Einladung des WdF Burgenland, um seine Einschätzungen zu hören.
Politische Lage im Burgenland
Hajek bezeichnete das Burgenland als das „glücklichste Bundesland“ Österreichs. In einer Umfrage gaben 54 % der Bevölkerung an, dass die Politik im Land in die richtige Richtung gehe – ein deutlich höherer Wert als der österreichweite Durchschnitt von 24 %. Gründe dafür seien die gute Arbeit auf Landesebene und die hohe Zustimmung zu Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der mit 60 % den höchsten Beliebtheitswert aller Landeshauptleute aufweist.
Auch innerhalb der Sozialdemokratie zeigt sich seine Popularität: Auf die Frage, wer für SPÖ-Wähler wählbarer wäre – Doskozil oder Babler – sprachen sich 40 % für Doskozil aus, für Babler nur 15 %.
Verändertes Wählerverhalten, Stimmungswähler statt Stammwähler
Laut Hajek gibt es heute kaum noch klassische Stammwähler. Stattdessen entscheiden sich viele Menschen erst drei bis sechs Monate vor der Wahl, welche Partei oder Person sie wählen wollen. Wahlen werden zunehmend von der aktuellen Stimmungslage beeinflusst.
Die drei entscheidenden Themen für die Bevölkerung sind: Migration und Zuwanderung, Teuerung (leistbares Wohnen) sowie Gesundheit und Pflege. Und diese Themen werden von Doskozil aktiv aufgegriffen, was zu seiner starken Zustimmung beiträgt. Gleichzeitig gewinnen wirtschaftliche Themen wie Steuern, Abgaben und Schuldenabbau an Bedeutung, während „Jobs“ – anders als in den 1970er-Jahren – kaum noch als Problem gesehen werden. „Jeder, der einen Job sucht, bekommt einen“, so Hajek, unter der Voraussetzung einer abgeschlossenen Ausbildung.
Kritik an der Politik und Reformbedarf
Ein zentrales Problem sieht Hajek im wachsenden Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik. Eine Umfrage ergab, dass nur 13 % der Befragten glauben, für ihre Steuern eine angemessene Gegenleistung zu erhalten – ein besorgniserregender Wert. Dieses Misstrauen bezeichnet Hajek als „Gift für die Demokratie“.
Deutlich spricht er sich gegen den Begriff „illiberale Demokratie“ aus, der oft im Zusammenhang mit Ungarn und Viktor Orbán verwendet wird. „Eine illiberale Demokratie gibt es nicht!“ Entweder wir leben in einer Demokratie oder in keiner Demokratie. Ungarn würde er als beschädigte Demokratie identifizieren.
Ausblick auf 2025
Für die kommenden Jahre zeichnet Hajek ein gemischtes Bild:
Als großes Hindernis für tiefgreifende Reformen sieht Hajek den österreichischen Föderalismus und den starken Einfluss der Bundesländer und Interessenvertretungen. „Österreich tut sich schwer, sich von Vertrautem zu verabschieden.“
Trotz aller Herausforderungen beendete Hajek seinen Vortrag mit einem optimistischen Appell: „Fürchtet euch nicht.“
Diskussion und Ausklang
Nach dem Vortrag nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zu angeregten Diskussionen in entspannter Atmosphäre bei Buffet und Getränken.
Dieser Event wurde von der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Burgenland in Kooperation mit dem Wirtschaftsforum der Führungskräfte Burgenland, der Pädagogischen Hochschule Burgenland und dem WIFI Burgenland durchgeführt.
Ihr Referent und Experte:
Dr. Peter Hajek
Public Opinion Strategies GmbH, Geschäftsführer und Eigentümer, Promovierter Politikwissenschafter und akademisch geprüfter Markt- und Meinungsforscher, beschäftigt sich seit 25 Jahren mit empirischer Sozialforschung.

Fotocredit: Mörz PPH Bgld
vlnr: Dr. Herbert Gabriel, PPH Bgld, Dr. Sabine Weisz, Rektorin PPH Bgld, Dr. Peter Hajek, Mag. Johann Pinterits, Vorsitzender WdF Bgld, Norbert Pleyer, Mitglied des Vorstandes WdF Bgld












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